Samstag, 10. Dezember 2011

Ein Samstagmorgen in Offenbach

Ich schaue aus dem Fenster und freue mich über den strahlend blauen Dezember-Himmel. Nachdem es die letzten Tage so ungemütlich war, entschließe ich mich, mir meine Aufgaben-Liste für heute zu schnappen und mit dem Rad in die Stadt zu fahren. 
Es ist gar nicht so kalt, nur der Wind pfeifft mir noch ein wenig um die Ohren - aber dafür gibt es ja Ohrenschützer. Bepackt mit meinem Beutel fahre ich Richtung Stadt, entlang der Waldstraße und der Wilhelmsstraße - den Ruckelpisten - unter der Bahnunterführung durch und suche mir einen "Parkplatz" für meinen Drahtesel vor dem Tafelspitz.  Glück gehabt, es ist noch einer frei!
Der Markt ist jetzt, gegen Mittag, richtig gut besucht. Aber zuerst laufe ich rüber zum Bäcker, hole ein Baguette und gehe dann weiter zur Käserei die Bieberer Straße entlang. Gestern Abend habe ich Frau L`Abbate beim Kochen im hr zugeschaut. Sie hatte die "Landfrauen" zu Gast und ihnen drei leckere Gänge kredenzt. Mann, sah das lecker aus! Heute Abend werde ich mal versuchen ihren ersten Gang "nachzukochen". Vor der Käserei laufe ich Loimi Brautmann in die Arme, der mit seiner EsskulTOUR-Gruppe gerade Station macht und deren Teilnehmer sich auf den Käse stürzen! Ich finde es einfach klasse, auf wie viel Begeisterung die Stadtspaziergänge bei den Menschen stoßen. Ich besorge zwei Scamorza für den Feldsalat. Fehlt nur noch der Schinken zum Einwickeln...
Aber erst einmal geht es weiter zu Fuß Richtung Innenstadt. Zurück am Willi höre ich ein wildes Getrommel: Es wird mit vereinten Kräften gegen den Fluglärm demonstriert!
Entlang am ehemaligen Kleider Frei, dem schicken renoviertem Gebäude, laufe ich hinüber in die Kleine Marktstraße. Mensch, gibt es hier viel Leerstand! Und das Gebäude des ehemaligen Gloria Kinos wird auch gerade renoviert. Wer oder was da wohl mal einzieht? Ich will nicht weiter drüber nachdenken, hoffe aber das beste!

Aber nun wappne ich mich, denn ich muss zur Post-Filiale am Aliceplatz. Schon bevor ich überhaupt im Gebäude bin, sehe ich eine ellenlange Schlange vor dem Geldautomaten. Wieso ist es hier nur immer so voll? Und innen sind fünf Schalter belegt, davor ebenfalls eine riesige Schlange. Egal zu welcher Uhrzeit ich in der Vergangenheit hier oder auch in der Hauptstelle in der Marienstraße war, es ist immer voll! Nun denn... Irgendwann habe ich dann auch meine Briefmarken in der Hand und gehe am Weihnachtsmarkt vorbei. Entgegen schallt mir "Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihn..." - Wolfgang Petri hat wohl keine Weihnachts-CD rausgebracht. Mist, jetzt habe ich für den Rest des Tages einen Ohrwurm... da wäre mir "Last Christmas" doch lieber.

Zum Abschluss geht's auf den Wochenmarkt: Ich mache mich auf den Weg zurück. Es wird noch immer gegen den Fluglärm gekämpft. Vorne am Streichholzkarlche animieren die engagierten Lärm-Gegner die Menschen, sich in die Unterschriftenlisten einzutragen. Ich sehe Herrn Georg von der Offenbach Post, der auf der Suche nach dem perfekten Motiv für die nächste Ausgabe ist. Und auch der ehemalige OB Grandke steht am Markthäuschen und ist im Gespräch. Ich habe mir sagen lassen, dass er ein sehr beliebter Oberbürgermeister war. Aber das kann ich nicht beurteilen, denn das war ja "vor meiner Zeit".

Hach, den Trubel mag ich so auf dem Wochenmarkt. Und überall riecht es so gut, nach Tanne, nach Glühwein, nach Woorscht. Wenn ich Besuch bekomme, geht es immer mittags mit meinen Gästen hierher, um Worscht zu essen. Ich gehe einmal querbeet Richtung Buxmanns Stand. Heute allerdings fällt dieser sehr mikrig aus - höchstens eineinhalb Meter mit Rosenkohl und ähnlichem.
Also gehe ich wieder zurück. Vor mir schiebt sich eine kleine alte Dame mit ihrem Wägelchen, ein Stau bildet sich, aber wen stört das schon? Nur keine Hektik, so viel Zeit muss sein. Ich treffe noch den ein oder anderen Bekannten und dann geht es wieder los Richtung Fahrrad. Die Sonne scheint immer noch, ich mache mich auf den Heimweg...