Sonntag, 18. März 2012

Eine Busfahrt die ist manchmal lustig

Ich warte auf die Linie 102 aus dem Nordend kommend Richtung Bieber. An der Haltestelle auf der Kaiserstraße kann ich den samstäglichen Trubel beobachten. Viele Leute müssen heute nicht arbeiten und erledigen daher ihre Einkäufe - viele sind bepackt mit Tüten. Die Linie 104 fährt an mir vorbei. Ich warte weiter. Mir fällt gegenüber von mir eine schöne Häuserzeile auf. Drei nebeneinander gereihte Altbauten, fünf bis sechs Stockwerke hoch.
Das Haus ganz links ist besonders schön! Ganz oben sieht man eine große Steinfigur, die in die Wand eingelassen ist, darüber ein großes eisernes Kreuz. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht gehört dieses Gebäude zur Kirchengemeinde. Den kleinen Balkon am anderen Haus wird man wohl auch kaum nutzen können. Ziemlich eng, aber schön. Die ganze Kaiserstraße hat sowieso viele tolle Altbauten! Das Haus hier gleich um die Ecke, an der Frankfurter Straße, steht schon länger leer. Schade eigentlich! Es handelt sich auch hier um ein richtig schönes Gebäude.

Meine Linie kommt, mit mir steigt eine alte Dame ein, zählt am Einstieg sorgfältig ihre Thaler ab - Kurzstrecke - 1,50 Euro. Der Busfahrer ist ungeduldig und ein wenig brummig. Bei dem tollen Wetter hätte ich aber auch keine Lust den ganzen Tag im Bus zu verbringen. Dann sitzt die Oma, er braust los und brettert die Kaiserstraße Richtung Hauptbahnhof rauf. Viele kennen sicherlich den Film "Speed". Dann - ein weißer Polo vor uns trödelt ein wenig, weil er einen Parkplatz sucht, der Busfahrer hupt ein paar Mal und verscheucht den Autofahrer. Der biegt ab in die Geleitsstraße, der Busfahrer flucht etwas Unverständliches - seine Ampel ist gerade rot geworden. Nur keine Hektik, denke ich mir. Ich sehe schräg gegenüber "Hai`s Sushi und Nudelbar". Nicht dran denken, aber gerade bekomme ich Appetit auf eine Portion "California Roll". Geht aber jetzt nicht.
Wir fahren auf den Hauptbahnhof zu und ich denke mir, wie jedes Mal, dass hier dringend mal etwas passieren muss. Der Fahrer biegt scharf und vor allem schnell ab auf die Bismarckstraße und überrollt beinahe ein paar Tauben, die seelenruhig auf der Straße herumspazieren. Ich halte die Luft an. Bitte kein Blutbad heute, der Tag ist bisher so schön! Die Ampel ist tieforange. Puh! Am Bahnhof steigen nur ein paar Leute ein. Heute ist es richtig ruhig.
Ich beobachte die wartenden Leute und sehe einen kleinen Jack-Russell-Terrier mit einem rosa Halsband. Die Farbe schmeichelt seinem Fell nicht unbedingt, wie ich finde. Dann geht mein Blick die Leine entlang und macht halt an der Person, die diese hält. Wer legt denn so viel Wert auf einen modischen Hund? ... Aha! Jetzt weiß ich, warum das Halsband rosa ist. Die Besitzerin ist groß, verdammt schlank, übersät mit Tattoos an Armen und Hals und hat lange, knallrosa Haare, die zu einer interessanten Frisur hochgesteckt sind. Bei dem warmen Wetter trägt sie eine schwarze Montur und schwere Stiefel, dazu eine Tasche, die aussieht wie eine silberne E-Gitarre. Ich bin begeistert und hoffe, dass die Frau nicht bemerkt, wie ich die beiden fasziniert anstarre. Der Wuffi dappelt voran in den Bus und weiter geht`s. Wieder eine scharfe Kurve, dann sind wir an der Bahnunterführung. Vor uns steht ein anderer Bus und der Busfahrer hupt plötzlich wieder. Warum, weiß ich nicht! Wir biegen in die Feldstraße ab und ein junger blasser Mann mit unglaublich zerzausten blonden Haaren steigt ein. Wer die Band "The Cure" kennt, weiß, was ich meine.

Und so juckeln wir die Buckelbiste entlang, parallel der Bahnschienen bis zur Bieberer Straße. Ich beobachte das Taubenhaus und überlege, wie es da drin wohl aussehen und duften mag. Die Straße entlang der Bahnschienen und des alten Friedhofs gibt der brummige Busfahrer dann richtig Gas - er hat freie Fahrt und keiner kommt ihm überraschend in die Quere. Am OF-Ost steigt wieder eine alte, etwas wacklige Frau ein, stellt sich mit ihrer riesengroßen Tasche vor den Busfahrer und beginnt darin zu kramen. Ob sie nach einer Karte oder ihrer Geldbörse sucht? Wir werden es wohl nie erfahren, denn der Busfahrer tippelt mit seinen Fingern auf sein Lenkrad und sagt zu ihr "Bitte nehmen sie Platz". Die Frau steht gebeugt über ihrer Tasche und kramt seelenruhig weiter. Dann ruft der Busfahrer etwas lauter "Bitte nehmen sie Platz." Die Frau schaut auf und fragt "Was haben sie gesagt?" Der Busfahrer holt tief Luft: "Nehmen sie Platz, ich brauche ihre Karte nicht sehen." Die Frau schließt ihre Tasche und geht langsam und vorsichtig ins Innere des Busses. Der Fahrer beobachtet sie im Spiegel und fährt, zu meiner Überraschung, erst los, als sich die Frau tatsächlich im hinteren Bereich einen Platz ausgesucht hat, zwei Reihen vor dem Wuffi und seiner rosanen Besitzerin. Richtung Bieber geht es, vorbei am Stadion, vor dem eine große Gruppe steht. Gibt es heute eine Führung? Mir gefällt das neue Stadion richtig gut. Heute stand auch in der Zeitung, dass der "Waldemar-Klein-Platz" nun feierlich eingeweiht wurde. Ein schönes Denkmal für den verstorbenen Ehrenpräsidenten.

Wir brausen weiter, es wird wieder mal gehupt. Mann, hat der ein Temperament. An der evangelischen Kirche halten wir wieder und uns kommt die andere 102 entgegen. Der Fahrer macht seine Fensterscheibe auf und steht mitten auf der Straße, um mit dem Fahrer des anderen Busses ein kurzes Pläuschen zu halten. Er fragt "Wie lange musst du noch?". Sein Kollege macht zwei Handbewegungen, die wohl heißen sollen "Noch einmal hin und zurück". Unser Fahrer schüttelt den Kopf, diesmal hupt es hinter uns, dann macht er sein Fenster zu, fährt los und hupt auch noch mal, weil es so viel Spaß macht. Wunderbar. Ich habe mein Ziel bald erreicht. Wir fahren die Aschaffenburger Straße entlang und ich sehe links die Eisdiele, davor eine lange Schlange. Ich ändere kurzfristig meinen Plan und steige am Ostendplatz aus.