Montag, 11. April 2011

Der schwarze Konrad

Mir ist heute ein ganz spannendes, fast vierzig Jahre altes Buch in die Hände gefallen: "Krieh die kränk, Offebach", eine Sammlung von Offenbacher Geschichten und Anekdoten von Lothar R. Braun.

Beim Schmökern ist mir eine Passage gleich ins Auge gesprungen: In "Ein gruseliges Schauspiel" wird von der Ecke Senefelderstra0e/Starkenburgring erzählt, wo sich bis Anfang des 19. Jahrhunderts der (anscheinend nicht gerade kleine) Offenbacher Galgen befand. Irgendwie kaum vorstellbar, dass sich dort früher mal Hinrichtungen abgespielt haben...

Jedenfalls hat man damals das Geschwisterräuberpaar "Werner" eingefangen. Die Brüder mussten dran glauben und wurden zum Tode verurteilt. Johannes Werner, auch Wuttwuttwutt genannt (warum eigentlich?), erhängte sich nur dummerweise im Gefängnis am Schloßplatz, bevor er hingerichtet werden konnte. Die Offenbacher "konnten nur noch zusehen, wie der Tote nach altem Brauch in Tierhaut genäht, auf dem Abdeckerkarren hinausgefahren wurde, um unter dem Galgen verscharrt zu werden". Klingt doch sehr appetitlich!

Aber da war ja noch der "schwarze Konrad", der andere Bruder. Da es damals ja noch kein Kino oder RTL gab, freuten sich die Offenbacher und auch die Frankfurter sehr auf die Hinrichtung. Eigens wurde ein vielbeschäftigter und berühmter Scharfrichter namens Johann Michael Hoffmann aus Frankfurt "engagiert", der wohl ein wahrer Virtuose des Kopfabschlagens war und einige berühmte Mörder bearbeitet hatte. Das muss man sich mal vorstellen... und passenderweise war dieser Scharfrichter auch gelernter Chirurg. Da konnte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und er musste sein Handwerk wohl so gut beherrscht haben, dass jeder Hieb ziemlich akkurat und sauber durchgeführt wurde und er sich nicht mal nennenswert vollgesudelt hat. Ein Zitat aus Brauns Buch von Emil Pirazzi möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten. Er schrieb über Hoffmann: "Er hat elegant geköpft."

Der Schlag in Konrad Werners Nacken muss ihm wohl auch recht locker aus dem Arm gegangen sein. Lothar R. Braun schreibt, dass der Kopf sofort fiel, die Zuschauer begeistert klatschten und die Damen mit ihren Tüchern wedelten.
Besagter Kopf wurde übrigens direkt nach der Enthauptung vom Hofrat Dr. Bernard Meyer, "ein Gelehrter mit Forscherdrang", begutachtet. "Er wollte untersuchen, ob es zutrifft, dass bei Hingerichteten noch die Gesichtsmuskeln zuckten. Es zuckte nichts."

Zum Schluß schreibt Braun: "Doch damit war es nicht genug des Grusels. Das war die letzte Hinrichtung, die es in Offenbach gegeben hat."

6 Kommentare:

  1. hab ich auch, das buch :) auch in einem sehr guten zustand. pflichtlektüre für jeden offenbacher und auch sehr bekannt

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  2. Also bisher hatte ich immer gedacht der Offenbacher Galgen hätte sich an der Ecke Schäfer/Hermannstr. befunden wo heute der Kinderspielplatz ist. :-)
    Kickersnase grüßt

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  3. Ha habe ich es doch geahnt, der Offenbacher Galgen stand tatsächlich an der Ecke Schäferstr./ Hermannstr und ist 1827 abgerissen worden. Die letzte Hinrichtung war tasächlich die oben genannte und zwar 1812.der Galgen wurde von Offenbachern "der Rabenstein" genannt. Nachzulesen unter : http://www.offenbach.de/offenbach/themen/unterwegs-in-offenbach/stadtinfo/stadtgeschichte/jahrestage/article/Galgen.html
    Kickersnase

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  4. Das liegt ja schon recht Nahe beieinander. Vielleicht ist ja tatsächlich dieser Galgen an der Schäferstraße gemeint gewesen! Sehr spannend dieses Thema! :-)

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  5. Krieh die Kränk Offebach!

    Ich habe das Büchlein nach Jahrzehnten wieder mal in die Hand genommen und bin mit Vergnügen dran kleben geblieben.

    Für was so ein OF Blog nicht alles gut ist ... ;-)

    Liebe Grüße

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